Von Resten, schlechten Schnitten und einer Sisiphos-Arbeit

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In letzter Zeit bin ich mit meinen Nähprojekten, der Auswahl der Schnittmuster oder der Stoffe zu geplanten Schnitten nicht zufrieden und meine Nähmotivation ist im Keller. Das hatte ich schon lange nicht mehr. Auch die Stricklust ist vergangen. Letzteres liegt vielleicht auch an dem Mammutprojekt, zu welchem sich der Pullover aus dem Frühlingsjäckchen-Knit-Along hinzog.

Inzwischen ist ja Sommer und ich habe eine Ewigkeit gebraucht. Gestrickt habe ich den Rei Sweater von AnkeStrick. Er wird – wie es sich für einen Frühlingspullover gehört – aus sehr dünnem Garn gestrickt, schon allein deshalb dauert es eine Weile, bis er fertig ist. Aber ich hatte auch Schwierigkeiten mit der Anleitung: Das Stillegen und Wiederaufnehmen der Maschen im Schulterbereich klappte nicht wie gewünscht. Da die Maschen sehr fein sind, sind sie schwer zu erkennen und an der ersten Schulter hat mir das Ergebnis nicht wirklich gefallen. Auftrennen ist bei der verwendeten Mohairwolle ein Graus und eigentlich nicht möglich. An der zweiten Schulter habe ich es dann Freestyle gemacht und dort sieht es besser aus.

Das Besondere am Sweater ist der Streifen aus Doppelstrick oben an der Schulter und etwas oberhalb der Brust (vorn und hinten). Auch die Bündchen werden bei dieser Variante im Doppelstrick gefertigt. Mir war diese Technik neu – und sie benötigt nochmal doppelt soviel Zeit wie das normal rechts gestrickte Muster.

Zwischendrin war ich mir nicht sicher, ob ich das Modell überhaupt gut finde. Demnach sank meine Motivation immer mehr. Im Urlaub habe ich das Projekt ruhen gelassen, obwohl nur noch ein paar Reihen übrig waren. Am Ende bin ich versöhnt, denn der Pullover trägt sich toll, die Farbe gefällt mir sehr gut und im Sommer kann ich ihn wie eine Strickjacke abends, wenn es etwas kühler ist, einfach überwerfen.

Anleitung: Rei Sweater von AnkeStrick

Wolle: Setasuri (Farbe 15) von Lana Grossa über Rito Hobby

Kosten: 55 €

Das zweite Projekt, welches ich euch heute, zum Me Made Mittwoch zeigen will, ist ein Kleid, welches ich aus zahlreichen Stoffresten genäht habe. Das Wildergown bot sich als Schnitt deshalb an, weil ich von dem Punkte-Krepp noch mehrere Streifen übrig hatte, die ich dann super kräuseln konnte. Den Stoff hatte ich ursprünglich zu einer Burda-Easy-Bluse vernäht. Den Stoff des oberen Vorderteils ist ein Leinen-Baumwollgemisch, aus dem ich letztes Jahr das Sequence-Kleid genäht habe, während der Stoff der Rückseite von einer Brigitte-Bluse stammt. Die Ärmel wiederum sind eine Baumwollpopeline, die ich mehrfach als Taschen(futterstoff) verwendet habe und wovon immer noch etwas übrig ist. Die Schleife musste ich gar nicht nähen, diese stammt von einem dp-Studio-Kleid, bei dem ich die Ärmel im Nachhinein abgenommen habe, da diese wenig sommertauglich waren.

Ich habe also für dieses Kleid keinen Cent extra bezahlt und meine Reste etwas reduzieren können. Mit der Länge des Kleides bin ich so mäßig zufrieden. Ich hätte es gern länger gehabt, das hat vom Stoff dann aber doch nicht gereicht. Den Saum habe ich lediglich mit einem Rollsaum gearbeitet, gefällt mir so am Besten. Allerdings ist das Kleid nicht ganz gerade unten, trotz mehrfacher Korrektur. Irgendwann hatte ich keine Lust mehr und wollte auch nicht, dass das Kleid noch kürzer wird – soviel zu meiner Nähmotivation.

Schnitt: Wildergown von Friday Pattern

Stoff: Reste

Arbeitszeit: 4:45 h

Kosten: keine

Mit dem dritten und letzten Projekt bin ich am wenigsten zufrieden. Während einer Sale-Aktion hatte ich im letzten Jahr noch ein Schnittmuster von Grasser erstanden, bevor die Bezahlung nicht mehr möglich war. Als Stoff wurden eher weich fließende Stoffe empfohlen, ich wollte aber etwas mehr Stand haben und bin auf den tollen Baumwollsatin gestoßen, der vielleicht besser zu einer Hose verarbeitet worden wäre. Mir gefiel er sehr gut und ich wollte es wagen.

Ich nähte also drauflos und wie so oft, machte ich zwischendrin keine Anprobe. Bei einem solchen Hängerkleid, dachte ich, würde die Passform ja nicht so wichtig oder entscheidend sein. Als ich dann fertig war, stand der Stoff in den Achseln extrem weit ab und da der Armausschnitt sehr groß ist, hatte man volle Einblicke auf meinen Busen. So konnte ich das nicht lassen. Was also tun? Ich habe lange überlegt und die einzige Variante, die ich als praktikabel ansah, war das Nähen eines Abnähers. Um es sauberer zu gestalten, trennte ich das Einfassband ein Stück weit auf, nähte die Abnäher und danach das Einfassband wieder an. Das Problem ist aber, dass Abnäher in Schnitten meist etwas ausgestellt sind, damit die endgültige Ausschnittlinie dann wieder übereinstimmt. So habe ich nun das Problem, dass ich die Abnäher nicht wirklich einfassen kann, diese ausgestellte Spitze fehlt hier. Am Ende habe ich das irgendwie mit Handstichen gelöst, damit der Stoff nicht ausfranst, aber schön ist eindeutig anders.

Ich bin von dem Schnitt gar nicht begeistert. Auch bei Verwendung weich fallender Stoffe hätte man ein ähnliches Problem. Man könnte natürlich ein Shirt drunter ziehen, aber ist ja nicht die Optik, die ich haben wollte. Dazu wird noch ein schmaler Gürtel genäht, der auch recht kurz ausfällt. Was ich jedoch mag, und weswegen ich den Schnitt überhaupt gekauft habe, sind die großen, seitlich aufgenähten Taschen. Hier habe ich mir auch viel Mühe gegeben, dass der Streifenverlauf stimmt.

Schnitt: Pinafore Dress No 344 von Grasser

Stoff: Baumwollsatin über Clarasstoffe.de (ausverkauft)

Arbeitsaufwand: 7,5 h

Kosten: ca. 33 €

Ich gestehe, das Kleid hatte ich noch nicht an, obwohl es bereits ein paar Wochen fertig ist. So richtig warm werden wir nicht miteinander. Ihr seht, es ist kein Wunder, dass ich gerade so unzufrieden bin und meine Motivation zum Nähen eher nicht so hoch.

Auch habe ich in letzter Zeit kein gutes Händchen bei der Auswahl meiner Stoffe. Da ich viel Stoff im Internet bestelle, habe ich inzwischen gute Erfahrungen mit der Einschätzung der Stoffqualitäten mittels der Beschreibungen. Aber in den letzten Wochen habe ich mehrfach daneben gegriffen. Vernähen wollte ich diese dann nicht für die anvisierten Projekte, so dass neue Schnitte bzw. Projekte gefunden werden müssen und die Stoffsuche für die eigentlich gewünschten Kleidungsstücke von Neuem beginnt.

Mal schauen, wie ich das in den nächsten Wochen löse, vielleicht lasse ich auch etwas liegen, bis es nach einer Verwendung schreit und ich wieder Lust aufs Nähen bekomme.

11 Kommentarte
  1. Susanne 1 Monatvor
    Antworten

    Ich glaube, jede Hobbyschneider/-in kennt die Phasen, wenn es einfach nicht rund laufen will.
    Auch wenn du mit der Anleitung zu kämpfen hattest, jetzt ist dein blaues Flauschpullöverchen ja fertig und sieht ganz bezaubernd aus .
    Das Streifenkleid von Grasser finde ich optisch klasse und auf den Bidern sieht man die Passformmängel nicht, aber ich kann verstehen, dass sie das Wohlbefinden beeinträchtigen und daher die Tragefreude eingeschränkt ist.
    Evtl kannst du aus dem Kleid doch noch eine Hose schneidern?
    Zum Kleid aus Stoffresten sag ich jetzt mal nichts; das ist so gar nicht meins.
    LG von Susanne

  2. Tina 1 Monatvor
    Antworten

    Hast du dein Wilder Gown ohne Kragen genäht? Eine schöne Änderung der Optik und ich mag auch deine Stoffkombi gerne.

    Bei den zweiten Kleid sieht man auch jetzt noch wie groß die Armausschnitte sind. Das ist wirklich sehr schade, man will dich nicht, dass seitlich die Brust rausschaut. Aber der Stoff ist schön, solltest du wirklich nicht warm werden damit, vielleicht kannst du ja noch ein anderes Kleid daraus nähen, indem du die Ausschnittkante quasi einfach nachsetzt?

    Lass dich nicht unterkriegen, allein dein Blog zeigt, dass das sicher nur eine kurze Phase ist und dann wieder ganz viele tolle Sachen kommen werden.

    Grüße

  3. Heike 1 Monatvor
    Antworten

    Liebe Anke,
    dein Restekleid gefällt mir sehr gut. Schade dass das Streifenkleid nicht so richtig passt.

    In solche Nähtiefs ist wohl jede von uns schon einmal gefallen, mir passiert das regelmäßig.

    LG, Heike

  4. Birgit Hettwer 1 Monatvor
    Antworten

    Liebe Anke!
    Zunächst Hut ab vor Deinem Mut, auch die vermeintlich weniger gelungenen Projekte zu zeigen. Das kennen wir Hobbynäherinnen eigentlich alle, nur reden wir eher mit der besten Freundin als öffentlich darüber.
    Ich finde Deinen blauen Strickpullover richtig klasse! Er lässt Dich förmlich strahlen! Überhaupt finde ich, dass kräftige Unis Deinen Typ eher unterstreichen als Muster. Egal ob Streifen oder Punkte, irgendwie lenken die von der Deiner klaren sachlichen Ausstrahlung eher ab. Aber das ist nur mein Gefühl – nur Du kannst entscheiden, in welcher „Klamotte“ Du Dich wohlfühlst. Ich habe vor einiger Zeit mal eine ganze Kiste an Stoff-Fehlkäufen verschenkt, das war enorm befreiend. LG Birgit Hettwer

  5. Der blaue Pulli ist bestimmt die Strickzeit wert, da hat Frau auch noch nächstes Jahr Freude dran.
    Das Restekleid finde ich in der Farbgebung sehr gelungen.
    Wenn der Armausschnitt zu weit ist hilft es manchmal (soweit nähtechnisch möglich) ein Rundgummi (Maskengummi) einzuziehen.

  6. Sandra 1 Monatvor
    Antworten

    Liebe Anke,
    solche Phasen kenne ich nur zu gut, ich bin da gerade erst wieder raus und bei mir hat sie auch eine Weile gedauert. Auch wenn ein Nähtief eher untypisch für mich ist/ war, habe ich die Zeit anderweitig gut für mich genutzt.
    Das Dranbleiben am Strickprojekt hat sich gelohnt,auch wenn dieses mühsam war. Mir gefällt der Pullover super gut und erst die Farbe…ein Traum.
    Lass Dir Zeit…
    Liebe Grüße
    Sandra

  7. Sabine, Barba Rix 1 Monatvor
    Antworten

    Liebe Anke
    Hut ab vor dem wirklich schönen Strickullover! Diese Arbeit 😳.
    Das gemixte Kleid gefällt mir gut, auch ohne Kragen. Das Streifenkleid hat wirklich einen tiefen Armauschnitt und ich kann dich sehr gut verstehen! Schade, die Taschen sind wirklich wunderbar aufgenäht, ich hab sie erst nach dem Text gesehen. Ich hoffe, du kannst es noch irgendwie retten, wäre schade um die ganze Arbeit!
    Ich hab auch grad eher ein Nähtief. Gestern Abend war ich endlich mal wieder an der Maschine – und habe es gleich verbockt. (Eine kurze Hose verlängert und der Schritt ist jetzt auch direkt 10cm weiter unten….). Doof. Ich wünsche dir, dass du da bald wieder raus bist.
    Ich hoffe, dass du gut in den neuen Job gestartet und endlich angekommen bist!
    Ganz liebe Grüsse aus der Schweiz, Sabine

  8. Carola 1 Monatvor
    Antworten

    Hi Anke, das ist aber wirklich schade. Gerade der Pullover und das Streifenkleid gefallen mir beide extrem gut. Vielleicht bekommt das Kleid noch eine Chance; es wäre schade und Arbeit und Stoff.

    • dreißigGrad 4 Wochenvor
      Antworten

      Hallo Anke,

      manchmal ist der Wurm drin.
      Den schönen Fotos sieht man den Frust gar nicht an. Der Pullover gefällt mir sehr gut, auch wenn ich Mohair so gar nicht anfassen kann (da kribbelt mich alles). Das Restekleid ist sehr schick… für sowas bin ich zu unkreativ 🙈 Auch das Hängerkleid macht auf den Bildern ein tollen Eindruck, aber dir muss es ja gefallen…dass ist das Wichtigste.
      Ein Pause ist nicht immer das Schlechteste, um sich neu zu sortieren und inspirieren.

      LG deine Claudia

  9. Christine 1 Monatvor
    Antworten

    Leider schön zu hören das nicht nur ich ein Nähtief habe…. manchmal gelingt nix , man näht für die Tonne. Wird wieder. Das Streifenkleid finde ich gar nicht so schlecht.
    LG
    Christine

  10. […] Luftiges zu nähen. Der Weg dahin war aber etwas schwieriger. Vom Stoffkauf-Desaster hatte ich das letzte Mal bereits kurz berichtet. Das ich derzeit kein Händchen habe für die richtige […]

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