Zu Gast: 1000stoff und die #vernetztegarderobe

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Foto: 1000stoff

Heute gibt es etwas Neues auf meinem Blog. Ich starte den Blick hinter die Kulissen mit einem Interview mit 1000stoff. Regelmäßig (geplant ist derzeit einmal im Monat) möchte ich euch Akteure der Nähcommunity näher vorstellen. Stoffläden, Designer, Blogger und Produzenten möchte ich näher zueinander bringen und hoffe sehr, dass euch diese Reihe gefällt. Wer einen Artikel später noch einmal nachlesen möchte, kann dies oben im Menü über „Hinter die Kulissen“ gern tun. Ich freue mich auf euer – hoffentlich zahlreiches – Feedback.

Ich habe für meinen ersten Beitrag Lara von 1000stoff interviewt. 1000stoff ist ein Onlineshop und ein Laden in Berlin-Kreuzberg, der hochwertige Stoffe vor allem für Erwachsene anbietet. Ein paar hübsche Kinderstoffe sind auch im Sortiment. Der Laden wurde 2012 eröffnet und seit 2015 werden die Stoffe auch online vertrieben, zuerst über dawanda und seit 2018 über ein eigenes Shopsytem. Lara beschäftigt noch drei weitere nette und kreative Mitarbeiterinnen. 2019 startete sie zusammen mit Sindy von Mein gewisses Extra die #vernetztegarderobe. Gemeinsam nähen sie Kleidung, die in ihrem Kleiderschrank noch fehlt und sich mit den vorhandenen Teilen zu einer gut kombinierbaren Garderobe vernetzt.

Foto: 1000stoff

Aber nun: Vorhang auf für Lara. Herlich Willkommen und vielen Dank, dass Du Dich bereit erklärt hast, mir ein paar Fragen zu beantworten!

Was hast Du beruflich gemacht, bevor Du Dein Unternehmen gegründet hast und welche Motivation gab es, dies zu ändern und einen Stoffladen zu eröffnen?

Ich bin Architektin und habe auch viele Jahre in diesem Beruf gearbeitet. Erst in einem großen Archtitekturbüro in Berlin und dann als Mitarbeiterin in Forschung und Lehre an der Universität. Beide Jobs waren sehr spannend, abwechslungsreich und fordernd, aber dennoch fehlte mir oft der eigene kreative Prozess, der mich schon immer umgetrieben hat. Auch die große Herausforderung, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen, hat mich sehr gereizt. Ich bin eine sehr haptische Person, Stoff gehört schon seit meiner Teenagerzeit zu meinen liebsten Materialien. So kam dann eines zum anderen.

Wie entstand die Idee zum Projekt „Vernetzte Garderobe“ auf Instagram und welches Fazit ziehst Du nach dem ersten Jahr?

Das Nähen hat viel mit mir gemacht. 2018 gab es einen Wendepunkt, der ganz von selbst gekommen ist und auf den ich deswegen auch ein bisschen stolz bin. Einen Wendepunkt hinsichtlich meiner Garderobe. Ich glaube, ich war kein einziges Mal vorsätzlich Klamotten kaufen. Nicht, dass ich mir nicht auch mal etwas gekauft hätte (Hosen z. B.), aber ich bin tatsächlich kein einziges Mal vorsätzlich losgegangen, nicht einmal um nur zu bummeln oder mich inspirieren zu lassen. Das liegt eindeutig daran, dass ich dieses Bedürfnis nicht mehr verspüre. Da es all die tollen Schnittmuster und Stoffe gibt und ich mir die Garderobe einfach selber nähe und zwar genau so, wie es mir gefällt und wie ich es brauchen kann. Dazu kommt ein Selbstvertrauen durch Erfahrung, gepaart mit ein wenig Lust am Experiment. Der Anteil an Kompromiss schrumpft dadurch merklich und das ist etwas Großartiges!

Dennoch kam es mir ein wenig unkoordiniert vor. Es entstanden lauter schicke Einzelteile und trotzdem blieb oft das Gefühl: Hilfe, ich habe nichts Anzuziehen! Damit entstand der Vorsatz, die Projekte besser zu koordinieren und eher in Outfits als in Einzelteilen zu denken. Sindy von @meingewissesetwas ging es genauso und da wir uns eh sehr gut über unsere Projekte austauschen können und hier eindeutig auf einer Wellenlänge liegen, haben wir uns zusammen getan.

Die Bilanz nach einem guten Jahr lautet: Never ending project!! Und zwar ausschließlich im positiven Sinn. Das Denken und Planen hat sich nachhaltig verändert, die Gedanken

  • was brauche ich für meine Alltagsgaderobe wirklich und wie kombiniere ich es?
  • was brauche ich für besondere Gelegenheiten und kann ich es anders kombiniert auch im Alltag tragen?

gehören jetzt standardmäßig zur Planung dazu. Nicht, dass ich vorher vollkommen kopflos vorgegangen wäre, aber einige Entscheidungen fallen jetzt anders aus und damit hat sich die Trefferquote eindeutig erhöht.

Wie würdest Du Deinen eigenen Stil beschreiben? Was ist Dir wichtig bei der Wahl von Kleidungsstücken bzw. Stoff und Schnitt?

Mein Stil ist schlicht und reduziert. Vielleicht bringt das auch meine Herkunft als Architektin mit sich, aber ich trage wenig Muster und wenn dann grafisch. Schnitte am liebsten gradlinig ohne viel Schnickschnack und Tüdelü. Stattdessen gern mit intelligenter Schnittführung und geschmackvollen Details. Die Stoffe müssen passen und dürfen gern hochwertig sein, das spielt gerade bei schlichten Kleidungsstücken eine wichtige Rolle und außerdem sind Zeit und Ressourcen zu schade um hier Kompromisse zu machen.

Foto: 100stoff

Ist Dir Nachhaltigkeit beim Nähen wichtig und wie definierst Du den Begriff für Dich selbst?

Dann kommt natürlich auch das Thema der Nachhaltigkeit ins Spiel. Ich versuche bei meinen eigenen Projekten, aber natürlich auch im Sortiment des Ladens, den Kunstfaseranteil der Stoffe möglichst gering zu halten. Die Qualität ist mir ebenfalls sehr wichtig, denn dann bleiben die Ergebnisse länger schön und länger tragbar. Ich ziehe in Europa fabrizierte Stoffe den billig in Asien produzierten vor, wenn es auch nicht immer möglich ist, alle Details vom Händler genau zu erfahren. Jedoch habe ich festgestellt, dass es noch immer viele Webereien in Europa gibt, die preislich durchaus konkurrenzfähig sind.

Und wie sieht es mit Deinem Kleiderschrank aus? Passt der Inhalt zu Deinen eben beschriebenen Ansprüchen? Welchen Anteil haben die selbstgenähten Kleidungsstücke und was möchtest Du noch verändern?

Der Anteil selbstgenähter Kleidungsstücke in meinem Kleiderschrank ist mittlerweile beachtlich. Es ist natürlich auch noch viel Gekauftes da, aber das liegt auch daran, dass ich noch nie jemand war, der schnell kauft und schnell entsorgt. Manche meiner liebsten Teile sind durchaus schon 5-8 Jahre alt oder älter. Manchmal wünsche ich mir mehr Zeit und Geduld für aufwendigere Nähprojekte. Das Meiste bewegt sich im schnell umgesetzten Rahmen. Daher bleiben Projekte wie z. B. Hosen, klassische Blusen oder gefütterte Jacken und Mäntel oft außen vor.

Hast Du Tipps, wie man aus Einzelstücke eine gut kombinierbare Garderobe zaubert? 

Es gibt ja super viele Ratgeber zum Capsule Wardrobe oder zur vernetzten Garderobe. Da ist natürlich überall was dran. Aber vor allem sollte man von seinen eigenen persönlichen Vorlieben ausgehen. Ich brauche z. B. deutlich mehr dunkle Shirts als Weiße und viel mehr Röcke bzw. Kleider als Hosen als im klassischen Capsule Wardrobe vorkommen. Und zweimal denken vor dem Nähen, das hilft meistens auch. Klingt so leicht, musste ich aber auch erst lernen.

Die #vernetztegarderobe wird in jedem Fall ein wichtiges Thema für mich bleiben, auch in diesem Jahr. Es wird darüber hinaus viele interessante Kooperationen und Aktionen geben. Ich bin sehr gespannt, was sich im Bereich der Stoffindustrie hinsichtlich neuer Materialien und Nachhaltigkeit entwickeln wird. Je nachdem möchte ich diesen Aspekt gern vertiefen und mein Sortiment und Wissen hier erweitern. Natürlich habe ich grobe Pläne für das laufende Jahr, aber genieße es auch, dass ich als kleines Unternehmen immer spontan agieren kann. Ich inspiriere gern andere, lasse mich aber ebenso auch sehr gern von Euch anregen!

Liebe Lara – vielen Dank für diesen Einblick!

Wer Laras Laden noch nicht kennt, sollte unbedingt bei einem Berlin-Besuch einmal bei ihr vorbeischauen. Ihr findet ihn hier:  

Muskauer Str. 49
10997 Berlin Kreuzberg
Tel.: 030/639 602 53
Öffnungszeiten:
Mo - Fr   11.00-18.30 Uhr
Sa           11.00-16.00 Uhr

Online ist der Shop unter www.1000stoff.de zu erreichen.

Wer neugierig ist, welche Nähmaschine, welche Nähbücher und welche Schnittmuster 1000stoff empfiehlt, schaut doch mal in meinen Shop vorbei. Die Empfehlungen sind entsprechend gekennzeichnet.

2 Kommentarte
  1. Susanne 11 Monatenvor
    Antworten

    Merci für den Blick hinter die Kulissen;
    ist einer meiner liebsten Online-Shops, zumal ich noch nie von einer Bestellung enttäuscht war.
    LG von Susanne

  2. […] Und noch ein Hinweis: wer meinen Beitrag zum Jumpsuit Rosella noch nicht gelesen hat – der den MMM an dieser Stelle gesprengt hätte und deshalb bereits vor zwei Wochen online ging – der sei ihm ans Herz gelegt. Ebenso das Interview mit der wundervollen Lara von 1000stoff. […]

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