Näh-Mutti? Nö – Ich näh lieber für mich selbst!

single-image

Es ist mal wieder Zeit für ein neues Interview und damit für einen Blick hinter die Kulissen . Nachdem letzten Monat aus Zeitmangel dieser Post ausfiel, freue ich mich umso mehr, wieder einen Gast begrüßen zu können. Und was für einen: Jenny, die unter dem Namen BuxSen in der Nähwelt bekannt ist und seit 14 Jahren näht, ist eine echte Frohnatur. Und auch wenn wir uns noch nie begegnet sind, so haben wir uns auf Instagram schon so über einiges ausgetauscht und auch Gemeinsamkeiten entdeckt. Ich freue mich immer sehr, die vielen verschiedenen Persönlichkeiten hinter den Bildern zu entdecken. Jenny war so nett und hat für uns einige Einblicke in ihr Universum preisgegeben.

Foto: buxsen

Was bedeutet eigentlich Dein Social-Media-Pseudonym „BuxSen“?

Der Name ist ein Konstrukt aus dem Namen meiner alten Heimatstadt und dem Namen des Dorfes, in dem ich heute lebe. Als ich meinen Blog startete, war ich auf der Suche nach einem Namen. Diesen hat mein Mann sich ausgedacht und ich fand ihn witzig.

Dein Blog liegt jetzt schon einige Zeit auf Eis. Dafür bist Du mehr auf Instagram unterwegs. Was reizt Dich an Instagram mehr?

Einen Blogbeitrag zu schreiben ist ja ziemlich zeitaufwändig. Man machte früher Fotos mit der Kamera, bearbeitete diese und schrieb einen Text dazu. Seitdem ich bei Instagram bin, ist es viel einfacher, einen Beitrag zu schreiben. Bilder schnell mit dem Handy gemacht, ein kurzer Text dazu und fertig. Außerdem ist die Kommunikation viel schneller und direkter. Dadurch entstehen „Gespräche“ und es herrscht eine Interaktion quasi in Echtzeit.

Wie bist Du zum Nähen gekommen und was fasziniert Dich an unserem gemeinsamen Hobby?

Meine Mutter hat früher viel genäht, irgendwann habe ich mir die alte Nähmaschine aus dem Keller geholt und versucht etwas zu nähen. Das war alles recht stümperhaft und natürlich ohne Overlock. Die Rückseiten der Teile haben mich sehr gestört, es sah eben selbst genäht aus. Also war ich nicht richtig begeistert vom Nähen. 

Ende der 90er Jahre habe ich einen Wochenend-Schnupperkurs bei der VHS besucht und mir danach das Nähen mit Hilfe der Burda Easy Hefte selber beigebracht. Dann kam wieder eine Pause bis etwa 2007. Ab da ging es dann richtig los, ich entdeckte die Seite „Farbenmix“, die damals für mich das Nähen revolutioniert hat. Mit den ausführlichen Anleitungen von Farbenmix gelangen auf einmal auch tolle Taschen und moderne Kleidungsstücke. Ich schaffte mir dann sehr schnell eine Overlock-Maschine an und war überglücklich, dass meine selbst genähte Kleidung viel professioneller gearbeitet war.

Foto: buxsen

Ich habe tatsächlich nicht die klassische „Mutti-Nähkarriere“ hinter mir. Noch heute nähe ich viel lieber Kleidung und Taschen für mich selber, als Dinge für meine Kinder (auch wenn die sich tatsächlich immer noch gern benähen lassen). Das Schöne an unserem Hobby ist, dass man sich die Kleidung genauso nähen kann, wie man sie haben möchte. Egal, welchen Stil oder welche Farbe man gerade bevorzugt, man ist unabhängig vom aktuellen Trend, wer immer den auch vorgibt.

Neben dem Nähen strickst Du auch. Hast Du Dir alles selbst beigebracht oder hast Du Kurse besucht?

Mit dem Stricken habe ich aus der Not heraus begonnen. Nach der Geburt meines zweiten Sohnes habe ich eine neue Freundin gefunden, die mich zu den dienstäglichen Kreativ-Treffen mit ihren Freundinnen eingeladen hat. Zuerst habe ich immer noch fleißig meinen Nähkram zugeschnitten, Schnitte kopiert oder Ähnliches. Mit der Zeit haben mich meine Dienstags-Damen dann vom Material Wolle überzeugt. Ich habe dann einfach drauf los gearbeitet. Wenn in einer Anleitung etwas kam, das ich nicht kannte, habe ich mir YouTube Videos angesehen. Mittlerweile stricke ich seit 10 Jahren und fange langsam an, mich auch nicht nicht mehr als Anfängerin zu sehen. 

Foto: buxsen

Wie würdest Du Deinen ganz persönlichen Stil beschreiben?

Das ist nicht so leicht. Sportlich-schick würde ich sagen. Ich bin nicht festgelegt auf bestimmte Kleidungsstücke. Mal Jeans und T-Shirt, mal ein Kleid. das hängt ganz von meiner Laune ab und auch von der Jahreszeit. Das größte Kompliment für mich ist immer, wenn jemand sagt „das ist ja typisch BuxSen!“.

Machst Du Dir bei Deinen Hobbys Gedanken über das Thema Nachhaltigkeit?

Natürlich ist das in unserer Blase seit längerem ein großes Thema, an dem man nicht vorbeikommt. Ich versuche, kaputte Kleidung zu reparieren oder wiederzuverwerten. Sicherlich ist nicht von der      Hand zu weisen, dass die meisten von uns mehr Kleidung nähen, als sie tatsächlich benötigen. Es ist nicht leicht, die Begeisterung für Material und Mode mit angemessenem Konsum an z. B. Stoff in Einklang zu bringen. Daran muss ich noch hart arbeiten.

Und dürfen wir auch etwas Persönliches von Dir erfahren? Was machst du beruflich?

Ich bin 46 Jahre alt, in Hamburg geboren und lebe mit meiner Familie in einem kleinen Dorf in NRW. Meinen Teilzeit-Job als medizinisch technische Assistentin in einem Labor für Mikrobiologie habe ich kürzlich gekündigt und bin jetzt erstmal Hausfrau. Momentan warte ich auf das, was da kommt – es öffnet sich immer eine neue Tür.

Du bist ja auch für einige Schnittmusterdesigner Probenäherin. Wie bist Du dazu gekommen? Und schränkt einen das nicht zu sehr in seiner kreativen Freiheit ein?

Begonnen hat die Probenäherei über das Testen eines Schnittes, den eine Nähfreundin veröffentlichen wollte. Dann habe ich mich häufiger bewusst für Probenähen beworben und irgendwann hat es geklappt. Dabei hat es „geholfen“, persönliche Kontakte auf diversen Nähtreffen geknüpft zu haben. 

Eingeschränkt fühle ich micht nicht. In festen Probenähgruppen hat man in der Regel die Wahl, ob man ein Projekt mit nähen möchte, oder nicht. Mittlerweile wähle ich da schon ziemlich bewusst aus. Anfangs wollte ich möglichst bei jeder Runde dabei sein. Das ist sowohl aus zeitlichen als auch aus Kosten- und Nachhaltigkeitsgründen natürlich ziemlicher Humbug. Dementsprechend nähe ich möglichst nur, was ich auch wirklich tragen möchte und was meiner Meinung nach zu mir passt.

Ich weiß, dass Du gern in Gemeinschaft nähst und eine kleine Näh-Peer-Group hast. Wie habt ihr Euch kennengelernt oder gab es da schon vorher Kontakte?

Foto: buxsen

Den Grundstein haben meine „8 Nähnerds“ gesetzt. Die meisten von ihnen habe ich 2015 in Berlin beim zweiten „Nähcamp“ von Elle Puls kennengelernt. Dann folgte im Herbst das Lillestoff Festival, bei dem sich diese Gruppe vervollständigt und gefestigt hat. Da wir von der Ostsee bis Bayern verteilt sind, haben wir uns möglichst 1-2 mal im Jahr auf diversen Nähtreffen verabredet. Daraus sind tatsächlich enge Freundschaften entstanden. Durch die Nähtreffen sind natürlich weitere Kontakte entstanden. Auch via Instagram habe ich mittlerweile tolle Bekanntschaften  und Freundschaften geschlossen.

Das Nähen in Gemeinschaft ist ein toller Austausch mit gleichgesinnten Nerds und natürlich immer eine Auszeit vom Alltag mit Arbeit und Familie. So anstrengend diese Treffen auch sind (wenig Schlaf und viele Eindrücke), geben sie auch viel Energie und Input.

Foto: buxsen

Machst Du Nähpläne oder steckst Du Dir Ziele? Wenn ja, welche sind das für 2021?

Jedes Jahr versuche ich, meinen Stoffkonsum zielgerichteter zu gestalten – mit meist mäßigem Erfolg. Die Begeisterung für Schnitte, Materialien, Muster und Farben ist sehr oft stärker als meine Disziplin.

Dieses Jahr habe ich zum ersten Mal einen „Make Nine“ Plan bei Instagram gemacht. Wir werden am Ende des Jahres sehen, wie viel ich davon tatsächlich umgesetzt habe. Ich sehe es mit den Nähplänen aber nicht so eng – sie sind eine gute Möglichkeit, einmal festzuhalten, was man gern machen würde. In der schnelllebigen Nähwelt geraten schöne Schnitte schnell wieder in Vergessenheit.


Vielen Dank, liebe Jenny für diesen Einblick. Wie immer findet ihr Empfehlungen von BuxSen in meinem Emfpehlungsshop.

1 Kommentar
  1. Ani Lorak 1 Jahrvor
    Antworten

    Lieben Dank für das Interview. Auf Jenny bin ich irgendwann vor Jahren über den Donnerstag gestoßen und habe viele Blogs gelesen, was mir besser als Instagram gefallen hat. Instagram hat seine Vorteile, u.a. zeife Ich auch was von mir. Kennengelernt habe ich Jenny irgendwann auf Elkes Nähcamp. Und ja, ich wusste, dass sie Kinder hat, aber das war es schon. Meine Kinder wollen nicht vernäht werden und do nähe ich für mich…
    Ich lese gern mit. Schöne Woche

Kommentar verfassen

Auch interessant

%d Bloggern gefällt das: