Nachhaltiges Schuhwerk

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Schuhe sind immer noch die Kleidungsstücke, die die wenigsten von uns auch noch selbst herstellen. Deshalb hat es mich interessiert, was an einem Schuhwerk nachhaltig sein kann, welche Labels es gibt und in welchen (Online-)Shops man fündig wird. Meine Recherchen habe ich für Euch in diesem Beitrag zusammengefasst.

Was heißt es, Schuhe nachhaltig herzustellen?

Das ist die erste Frage, die ich mir gestellt habe und wie erwartet, gibt es keine eindeutige Antwort. Für einen ist es die Art des Gerbens von Leder, die anderen hingegen lehnen Leder komplett ab und setzen auf vegane Alternativen. Wie immer spielen auch Arbeitsbedingungen bei der Herstellung eine Rolle. Das erweitert den Begriff Nachhaltigkeit noch um die Komponente fair. Anbei eine kleine Checkliste, worauf man beim Schuhkauf bzw. bei der Wahl des Labels achten könnte:

MaterialArbeitsbedingungen
Öko-Baum- oder Schurwolle
veganes Leder
naturfarben gefärbt
giftfrei gegerbtes Leder
nachhaltige Materialien wie Kork-, Ananasfasern oder recycelte PET-Flaschen
Fairtrade-Label für faire Arbeitsbedingungen
Produktion in Europa/regional
Weitere Labels wie GOTS etc.

Welche Marken für nachhaltige Schuhe gibt es?

Ich war sehr erstaunt, wie viele Marken sich inzwischen dem Thema verschrieben haben. Das hat auch Auswirkung auf die Preise, die zwar immer noch über dem eines normalen Schuhs liegen, aber auch nicht mehr so immens teuer sind, dass es sich kaum jemand leisten kann. Mein Überblick ist eine Mischung aus nachhaltigen Projekten großer Marken, Vorreiter des Marktes und neuen Brands. Einen sehr guten Überblick kann man sich übrigens auf utopia verschaffen.

Veja

Die Marke Veja hat sich dem Thema Sneaker verschrieben. Verwendete Materialien sind nach eigenen Angaben Naturkautschuk (für die Sohlen), gegerbtes Leder (aus ökologischer Haltung), recyceltes Plastik und faire Bio-Baumwolle. Es gibt eine rein vegane Kollektion und die Herstellung erfolgt in Brasilien in enger Zusammenarbeit mit den Farmern, die faire Löhne beziehen. Auch bei der Lieferkette wird auf Nachhaltigkeit und kurze Wege geachtet.

Mehr zur Story hinter Veja findet ihr hier.

ethletic

Wer Alternativen für Chucks sucht, wird bei ethletic fündig. Fairtrade-zertifizierte Baumwolle und nachhaltiger Kautschuk sind die die verwendeten Materialien. Die Baumwolle stammt von Kleinbauern aus Indien, der Kautschuk aus Sri Lanka. Die Schuhe werden in Pakistan hergestellt. Man kann den ArbeiterInnen ein Trinkgeld spendieren, wenn man im Originalshop kauft und der Hersteller zahlt zusätzlich Geld zur Förderung sozialer Projekte. Die Schuhe sind komplett vegan.

Mehr zum Nachhaltigkeitskonzept von ethletic findet ihr hier.

El naturalista

Die in Handarbeit in Spanien und Marokko hergestellten Lederschuhe sind bereits Klassiker unter den ökologischen Schuhen. Das Leder stammt ausschließlich von Tieren, die zur Lebensmittelerzeugung gezüchtet wurden und somit als „Abfall“produkt anfällt. Außerdem werden vor allem natürliche und Recycling-Materilien verwendet. So kommen Filz, Bambus, Kork oder Naturkautschuk zum Einsatz. Es werden auch rein vegane Modelle angeboten.

Mehr zu Herstellungsverfahren bei El Naturalista findet ihr hier.

ekn footwear

Die Frankfurter Firma lässt ihre Schuhe in kleiner, exklusiver Stückzahl in Portugal fertigen. Das zurückhaltende, zeitlose Design ist Teil des Konzeptes, welches sich nicht an Modetrends orientiert und auf Langlebigkeit angelegt ist. Die Schuhe werden ausschließlich aus natürlichen Materialien wie Bio-Baumwolle, pflanzlich gegerbtes Leder und Kork hergestellt. Es werden faire Löhne gezahlt und die Materialien werden aus der Region gewonnen, damit lange Lieferketten vermieden werden. Obwohl die Stückzahlen begrenzt sind, sind die Preise durchaus bezahlbar und bewegen sich je nach Modell zwischen 100 – 200 €.

Die Story von ekn kann man hier nachlesen.

Nike – Space Hippie

Auch die großen Marken wie Adidas oder Nike beschäftigen sich mit dem Thema Nachhaltigkeit. Als Beispiel sei hier die „Space-Hippie„-Kollektion von Nike genannt, die aus 85 % aus recycelten PET-Flaschen, alten T-Shirts und anderem Stoffabfall bestehen soll.

Bahatika

Die rein vegane Schuhmarke Bahatika stammt aus Spanien und setzt vor allem auf Naturfasern wie Kork, Baumwolle oder Leinen. Auch Kunstleder findet in einigen Modellen seine Anwendung. Neben dem zeitlosen Design ist auch ein hoher Tragekomfort Wertmaßstab dieser Schuhe. Die Herstellung soll möglichst umweltfreundlich vonstatten gehen und auf faire Arbeitsbedingungen wird geachtet. Um die Lieferwege klein zu halten, werden die Materialien aus der Region bezogen.

Die Story hinter Bahatika könnt ihr hier nachlesen.

Nae vegan shoes

Ebenfalls eine vegane Schuhmarke ist Nae. Verkauft werden alle Arten von Schuhen: vom Sneaker, über Ballerinas bis hin zu Sandaletten und Stiefeln. Die Preise sind vergleichbar mit großen Marken im Mittelfeld. Als Material wird das lederähnliche Pinatex verwendet, ein aus Ananasblätter gewonnenes Naturprodukt. Kork, recycelte Plastikflaschen und Mikrofasern ergänzen die Ausgangsstoffe. Diese werden aus Portugal bezogen, wo auch die Produktion stattfindet.

Mehr zum interessanten Stoff Pinatex findet ihr hier.

Waldviertler

Die österreichische Schuhfirma zeichnet sich durch höchste Qualität aus. Auch ich besitze ein Paar Waldviertler und bin von der Verarbeitung und dem Tragekomfort sehr angetan. Die Schuhe werden aus Leder hergestellt, die sie aus ganz Europa beziehen. Produziert wird in Österreich, Deutschland und der Schweiz, aber auch in Tschechien und Ungarn. Nachhaltigkeit bedeutet bei Waldviertler vor allem lokale Produktion, kurze Wege, Jobs in strukturschwachen Regionen sowie ein Reparaturservice. Es gibt auch ein paar vegane Schuhmodelle. Zu kaufen gibt es die Schuhe ausschließlich über den eigenen Onlineshop und über die GEA-Läden. Ich hab meine aus dem Laden im Prenzlauer Berg.

Toms

Die Marke Toms bezeichnet sich selbst als die Nummer eins der Espandrillas. Es handelt sich um ausschließlich vegane, nachhaltige Materialen wie Hanf, Bio-Baumwolle und recyceltem Polyester. Gefertigt wird in Argentinien, China, Äthiopien, Haiti, Indien und Kenia unter fairen Arbeitsbedingungen. Als ganz besondere Idee werden für jedes verkaufte Paar Schuhe ein weiteres Paar Schuhe an ein Kind in Not gespendet. Die Herstellung der meisten dieser Schuhe erfolgt in der Region der Spende und schafft somit zusätzlich Arbeitsplätze. Seit April diesen Jahres wird zusätzlich ein Drittel des Nettogewinns in den TOMS COVID-19 Global Giving Fund umgewandelt.

Einen kurzen Überblick über die Leistungen der Firma findet ihr hier.

Ten Points

Vom Style her besonders angetan haben es mir die Schuhe von Ten Points. Die schwedische Schuhmarke führt tolle Boots, Clogs und vieles mehr. Produziert wird in Portugal mit fairen Arbeitsbedinungen. Wert gelegt wird auf umweltfreundliche, schadstoffarme Herstellungsprozesse und Materialien. Das Leder wird beispielweise pflanzengegerbt. Langlebigkeit der Produkte ist ein hohes Ziel und wird durch das zeitlose Design unterstützt. Bei der Verpackung werden nur recycelte Kartons und Papiere verwendet. Das Futter der Schuhe ist aus chromfrei gegerbtem Leder oder musselinfreier Wolle. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass das Leder natürliche Flecken aufweisen können. Um ressourcenschonend zu produzieren, wird nicht nur auf perfekte Lederstücke geguckt, sondern auf Low Waste.

Alle Nachhaltigkeitskriterien von Ten Points auf einen Blick findet ihr hier.

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Und was ist mit Schuhreparaturen?

Schuhe zur Reparatur zu bringen ist für mich immer noch eine tolle Möglichkeit, Schuhe langfristig zu tragen und somit ein nachhaltiges Komsumverhalten an den Tag zu legen. Ich selbst habe nicht übermäßig viele Schuhe. Die, die ich mag, die bequem sind, trage ich meist viele Jahre, bis sie mir vom Fuss fallen. Insofern gebe ich auch gern mal mehr für Schuhe aus und bringe sie auch regelmäßig zum Besohlen. Das ist es mir wert. Aktuell überlege ich, wie ich meine geliebten El Naturalista retten kann, denen nach über 10 Jahren eigentlich nicht viel fehlt, nur die Innensohle löst sich langsam auf. Sicherlich kann hier ein Schuhmascher (hoffentlich) Abhilfe schaffen.

Ein tolles Startup zum Thema ist Sneaker rescue. Hier werden abgeliebte Sneaker wieder aufbereitet. Der Service umfasst erstmal eine Sohlenreparatur, eine Außenreinigung und ggf. eine Stoffreparatur. Auch ein sogenannter Repaint ist möglich, damit erhalten die Schuhe eine neue Optik. Alle Preise sind transparent auf der Webseite beschrieben. Mittels vorherigem Austausch von Bildern des Schuhs werden auch Kostenvoranschläge gemacht, so dass man genau weiß, worauf man sich einlässt. Auf Instagram kann man tolle Vorher-Nachher-Bilder bewundern.

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Online-Shops für nachhaltige Schuhe

Fast alle oben genannten Marken haben eigene Online-Shops, in denen man die Schuhe kaufen kann. Darüber hinaus gibt es aber auch Shops, die sich auf nachhaltige Bekleidung spezialisiert haben. Hier drei Beispiele:

Avesu

Avesu ist DER Shop, wenn es um faire, vegane Schuhmode geht. Aus Überzeugung wurde der Shop vor 10 Jahren in Berlin gegründet. Auf der Webseite findet man viele Informationen darüber, warum auf Leder verzichtet wird, welche Alternativen es gibt, wie sich der Shop dem Thema soziale Verantwortung stellt und welche Marken er im Sortiment hat. Die Auswahl reicht von Sneakern bis zu Absatzschuhen. Zusätzlich zu Schuhen gibt es auch ein paar wenige Taschen und Brillen im Angebot. Wer in Berlin lebt, kann auch vor Ort in den Geschäften im Prenzlauer Berg und Friedrichshain shoppen.

Grundstoff

Dieser Online-Store bietet hauptsächlich Kleidung aus fair produzierter Bio-Baumwolle an. Klassiker wie T-Shirt, Sweatshirt, Boxershorts sind im Sortiment. Aber auch eine nicht ganz kleine Auswahl von Schuhen ist im Angebot. Zu finden sind hauptsächlich Schuhe aus dem Freizeitbereich wie Sneaker, Espandrillas und Flip-Flops.

Avocado Store

Der Avocado-Store ist einer der größten Online-Shops für umweltfreundliche, nachhaltige Produkte. Hier kann man Kleidung, aber auch Haushaltsgegenstände, Reinigungsmittel und Möbel einkaufen. Im Shop kann man nach Kriterien filtern, die einem beim Kauf wichtig sind, bspw. ob es sich um recyceltes Material handelt, ob in Deutschland hergestellt wurde oder die Herstellung schadstoffreduziert ist.

Waschbär

Der Versandhandel Waschbär ist ein Klassiker im Bereich „grüner Mode“. Leider haftet ihm immer noch ein wenig das Ökolatschen-Image an. Aber inzwischen gibt es auch hier modische Bekleidung, die sich nicht verstecken muss. Die Auswahl an Schuhen kann sich sehen lassen. Klassische Öko-Brands wie Think und El Naturalista finden sich ebenso wie ethletics, Grand step sowie die Eigenmarke.

More Inspirations

Es hätte den Artikel gesprengt, wenn ich alle recherchierten Marken hier im Einzelnen vorgestellt hätte. Aber ich möchte Euch mit weiterführenden Informationen versorgen.

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2 Kommentarte
  1. Danke für deine umfangreiche Zusammenschau! Schuhe sind tatsächlich ein extrem heikles Thema, weil die herkömmliche Schuhproduktion so unglaublich wenig nachhaltig ist. Im Buch „Cradle to cradle“ (Lese-Empfehlung) werden sie als „Monsterhybride“ bezeichnet, weil es fast unmöglich ist, Schuhe wieder in ihre Einzelbestandteile zu zerlegen und zu recyclein. Es ist toll, dass Du das Thema aufgreifst und hierfür ein Bewusstsein schaffst. Liebe Grüße, Gabi

  2. […] Bloggerinnen-Blase. Grenzgänger-Design hat zum Beispiel gerade vor Kurzem einen Artikel über Bezugsquellen ökologischen Schuhwerks […]

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